INTERVIEW MIT WLADIMIR VELMINSKI

Foto: Dr. Wladimir Velminski

Herr Velminski, Sie lehren ja in Weimar das Fach „Geschichte und Theorie medialer Regime in Osteuropa“ an der Bauhaus-Universität. Was hat Sie dazu bewegt nach Lüneburg zu gehen? 

Nach Lüneburg bin ich mit einem Fellowship am MESC gekommen und habe da 8 Monate zu der Katze geforscht und recherchiert. Ich habe Texte übersetzt und die dann mit Martin zusammen auch nochmal strukturiert und überarbeitet. Irgendwann ist da dann die Idee entstanden, eine Lehrveranstaltung dazu zu machen und das mit einer Ausstellung zu verbinden. 

Zu der Zusammenarbeit mit Martin Warnke kam es also schon vorher im Rahmen des Projektes?

Jaja, genau. 

„Ein Programm das einen Mechanismus modelliert und eine Animation darüber zeichnet“ – was genau bedeutet das?

Also das ist ein Programm, dass russische Wissenschaftler im Jahr 68 erstellt haben, um eine erste Computeranimation von einem Lebewesen, also einer Katze zu machen. Natürlich wussten die damals noch gar nicht von welcher Bedeutung ihre Entdeckung einmal sein würde – in erster Linie wollten sie versuchen den Animationskünstlern das Leben zu erleichtern und auch den Künstlern später. Die Animation sollte letztendlich einfach zugänglicher zu machen. 

Welches Ziel verfolgen Sie und und Martin Warnke mit Ihrem Seminar? Also sowohl auf uns Studierende bezogen wie auch auf die Gäste der Ausstellung.

Das sind mehrere Aspekte. Also zum einen geht es uns natürlich darum, sowohl die Geschichte wie auch die Theorie hinter dieser Simulation weiterzugeben und nachzuzeichnen. Kurz, welche parallelen Entwicklungen es gegeben hat, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, wie diese Animation überhaupt verstanden wurde, ob es überhaupt als Kunstwerk verstanden wurde oder vielleicht doch als pure Wissenschaft abgestempelt wurde. Und das wollen wir sowohl den Studenten wie auch der Öffentlichkeit versuchen zu vermitteln. Das ist der eine Aspekt. Der andere Aspekt hat was mit der Popularisierung zutun. Natürlich haben Wissenschaftler immer das Ziel, das was sie machen auch nach außen zu tragen, das irgendwie zugänglich zu machen und gerade bei diesem Thema bietet es sich eben an da mehrere Zugänge zu finden und die dann auch zu präsentieren. Und die Idee mit der Ausstellung entstand letztendlich erst dann, als mir diese Papierrollen übergeben wurden, die in meinen Augen eigentlich wirklich den Beginn der Computerkunst in Russland darstellen, die es in der russischen Kunstgeschichte gar nicht gibt. Also es wurde da gar nicht thematisiert, dass die Computerkunst irgendwie in Russland gemacht wurde. Das war in der Sowjetunion, im Rahmen des sozialistischen Realismus einfach nicht möglich. Weil das Projekt in den Bereich der Wissenschaft gehörte, wurde es von der kanonischen Kunstgeschichte eigentlich nie so wahrgenommen, was sowohl die Wissenschaftler wie auch die Künstler, die da mitgearbeitet haben, natürlich anders sahen. Für sie waren die ästhetischen Vorgehensweisen deutlich erkennbar und daher betrachteten sie ihre Arbeit auch als Kunstwerk. Da sie dies jedoch nie so thematisieren konnten und auch nie thematisiert haben – also thematisiert haben sie es ja, aber sie konnten das eben nicht so an die Öffentlichkeit tragen – wurde es auch bisher noch gar nicht so wahrgenommen. 

Das heißt also wir sprechen quasi von so etwas wie einer „nachträglichen“ (und eigentlich viel zu späten) Würdigung der Arbeit der russischen Wissenschaftler – habe ich das richtig verstanden?

Ganz genau. Also fünfzig Jahre später jetzt einfach nochmal nachzuzeichnen, dass es natürlich auch in der Sowjetunion eine Computerkunst gegeben hat. 

Sie und Ihr Kollege wollen im Rahmen der Ausstellung u.a. auch Ihr gemeinsames Buch vorstellen, richtig? Was genau hat es denn mit diesem Buch eigentlich auf sich? 

Das Buch ist letztendlich aus dem Material entstanden. Also das ist ja quasi das, was man als Wissenschaftler macht – man schreibt entweder einen Artikel oder man publiziert darüber und aus dem was ich geschrieben habe, ist eben ein Buch entstanden, was Martin und ich gemeinsam herausgeben. Da ist unter anderem die Rolle präsentiert, da ist ein Interview mit Konstantinov drin und natürlich dieser ursprüngliche Text. Wir hoffen sehr, dass das Buch auch zu der Ausstellungseröffnung dann da sein wird. Natürlich ist das kein Katalog, aber unsere Ausstellung ist ja auch etwas Besonderes – also eher eine Installation als eine Ausstellung – und da gehört das dann natürlich trotzdem irgendwie zusammen. Und dann ist natürlich schon die Idee, dass die Teilnehmer*innen des Seminars jeweils ein Exemplar geschenkt bekommen und die anderen, die daran Interesse haben, das Buch sehr vergünstigt mitnehmen können. Und das Buch wird dann auch auf der Buchmesse in Leipzig präsentiert. 

Ist das Thema „Kitty“ dann damit erstmal abgehakt, so für dich persönlich? Oder ist da noch etwas offen?

Also natürlich sind einem da jetzt im Zuge des Seminars viele Ideen in den Kopf gekommen, was man noch alles machen könnte, aber man muss ja von bestimmten Themen auch irgendwann mal die Finger lassen. Also wenn das Buch dann fertig ist, ist das Thema für mich erstmal erledigt. Meine Hoffnung ist aber trotzdem, dass ausgehend von unserem Seminar und der Ausstellung weitere Ausstellungsprojekte entstehen und das dieses Material auch als Kunst wahrgenommen wird. Wer weiß, vielleicht wird die Rolle ja dann noch wandern. 

Okay und dann zum Abschluss nochmal – ganz unabhängig vom Seminar – mögen Sie Katzen oder sind Sie eher so der Hundetyp? 

Ich fand Katzen eigentlich immer unheimlich, um ehrlich zu sein. Also ich habe selber auch noch nie Katzen gehabt. Hunde waren in vielen unserer Familien immer präsent. Viele Freunde von mir hatten aber Katzen und ich finde Katzen sind schon besondere Wesen, die aber auch sehr eigen sind. Und genau deswegen fand ich es sehr, sehr spannend mich auf diese Weise eben mit dem Phänomen Katze zu beschäftigen und mich so dem „Unheimlichen“ zu nähern. 

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